3 Übungen für angespannte Eltern & unruhige Babys

Heraus aus der Anspannung – Kleine Körperübungen für dich, die auch deinem Baby gut tun

Beitrag erstellt von Almut Reineke, Hebamme, Heilpraktikerin & EEH-Eltern-Baby-Therapeutin

Immer „auf Hab-acht“

Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Dein Baby ist endlich ruhig, aber in dir läuft alles weiter auf Hochspannung. Du merkst, wie du innerlich ständig „auf Hab-acht“ bist, als würdest du auf den nächsten Alarm warten. Wirklich zur Ruhe kommst du kaum.
Genau hier möchte ich dich abholen.

Wenn du als Mutter oder Vater entspannter wirst, ist das kein Luxus. Es ist ein Geschenk – für dich und für dein Baby. Denn der Zustand deines Nervensystems ist mitentscheidend für das Sicherheitsgefühl deines Kindes:

Wenn du mehr Boden unter den Füßen spürst, kann auch dein Baby leichter zur Ruhe kommen.

In diesem Artikel zeige ich dir kleine, alltagstaugliche Körperübungen, die ohne besonderes Vorwissen funktionieren und sich gut in deinen Tag einbauen lassen. Es geht nicht um Perfektion, sondern um erste, machbare Schritte.

Warum dein Körper der wichtigste Ort der Beruhigung für dein Baby ist

Babys regulieren sich über den Körper und das Nervensystem ihrer Bezugspersonen. Sie spüren:

  • Wie du atmest
  • Wie angespannt oder weich dein Körper ist
  • Wie sich dein Blick und deine Stimme sich anfühlen

Wenn du sehr gestresst bist, versucht dein Nervensystem dich zu schützen – oft, indem es in Alarm geht:

  • Herzklopfen
  • flacher Atem
  • innere Unruhe
  • Gedankenkreisen

Dein Baby ist feinfühlig und nimmt diese Spannung ebenfalls wahr.

Die gute Nachricht:
Du musst nicht „perfekt entspannt“ sein, damit dein Baby sich sicher fühlt. Es reicht, wenn du Schritt für Schritt lernst, immer wieder ein bisschen mehr Boden unter den Füssen, einen entspannteren Atem oder/und mehr innere „Weichheit“ zu bekommen.

Genau dabei helfen dir die folgenden kleinen Übungen.

Grundprinzipien für alle Übungen

Bevor wir starten, ein paar wichtige Leitlinien:

  • Nichts muss perfekt sein.
    Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Schon ein kleiner Moment von „einmal durchatmen“ macht einen Unterschied.

  • Lieber kurz und öfter als lang und selten.
    10–30 Sekunden können viel bewirken – vor allem, wenn du sie mehrmals am Tag einbaust.
    Halte durch!

  • Dein Körper hat das letzte Wort.
    Wenn sich etwas unangenehm anfühlt, passe es an oder lass es weg. Du entscheidest, was gerade gut tut.
    Bleib dran!
  • Alles darf unbemerkt sein.
    Die meisten Übungen kannst du im Alltag machen: beim Stillen, Tragen, am Wickeltisch, auf dem Sofa. Niemand muss sehen, dass du gerade „übst“.

Übung 1 – Ankommen im Hier & Jetzt

Diese Übung hilft dir, buchstäblich wieder
Boden unter den Füßen zu spüren – auch wenn du dein Baby auf dem Arm hast.


So kannst du vorgehen:

  1. Spüre deine Füße
    Egal ob du sitzt oder stehst oder gehst: Richte deine Aufmerksamkeit auf deine Fußsohlen.
    Wie liegen sie auf?
    Was spürst Du genau?
    Wärme? Härtegrad? Was in der Tiefe?

  2. Lass dein Körpergewicht etwas in den Boden sinken
    Stell dir vor, du darfst ein bisschen mehr in den Boden „einsinken“.
    Du musst dafür nichts tun – eher im Gegenteil: ein klein wenig nachgeben.

  3. Nimm Deinen Atem wahr
    Du musst deinen Atem nicht verändern.
    Nimm nur wahr, wie die Luft ein- und ausströmt.
    Vielleicht spürst du, wie sich dein Brustkorb oder dein Bauch bewegt.
    Nur beobachten, nicht bewerten!

  4. Ein innerer Satz zur Unterstützung
    Du kannst dir leise sagen:
    „Der Boden trägt mich.“
    oder
    „Erstmal Durchatmen und zur Ruhe kommen.“
    Was ist dein Satz für diese Übung?

Übung 2 – Atmen, ohne Mühe

Viele Menschen kennen Atemübungen, die sie eher noch unter Druck setzen: „Ich muss jetzt tief und richtig atmen.“ Diese Übung ist anders. Es geht darum, den Atem einfach wohlwollend zu beobachten.


So kannst du vorgehen:

  1. Dein Baby auf deinen Bauch legen
    Das geht mit Baby in der Trage, im Bett oder auf dem Sofa – oder – wie und wo auch immer…
    Wenn dein Baby stattdessen neben dir liegt, leg einfach eine Hand auf deinen Bauch, wenn das geht.

  2. Nur beobachten, nicht verändern
    Spüre, wie sich dein Bauch beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt.
    Die Bewegung darf ganz klein und unspektakulär sein.
    Wie schmiegt sich dein Bauch bei der Einatmung an dein Baby/deine Hand an?

  3. Denk innerlich mit, wenn es dir hilft
    Zum Beispiel:
    Einatmen –> innerlich: „Anschmiegen”
    Ausatmen –> innerlich: „Loslassen”
    Finde eigene angenehme, entspannende Worte, die zu Dir passen.
    Wiederhole es über mehreren Atemzügen.

  4. Finde einen unterstützenden Satz, der dein „Herz öffnet„:
    Du kannst dir und deinem Baby sagen:
    „Ich bin für dich da.“
    oder
    „Alles ist gut“
    oder was passt für dich am Besten?

Wenn du merkst, dass du dich dabei eher verspannst, lass das Zählen weg und bleib einfach bei dem Gefühl, dass Luft ein und wieder ausströmt.

Übung 3 – Mikro-Pausen im Alltag

Gerade im ersten Babyjahr sind lange Pausen oft unrealistisch. Umso wertvoller sind
Mini-Momente, in denen dein System kurz aufatmen darf.


Typische Gelegenheiten:

  • Du wartest, bis das Wasser für den Tee kocht
  • Du stehst am Wickeltisch
  • Du sitzt auf dem Sofa, während dein Baby trinkt
  • Du lehnst im Türrahmen und schaust kurz aus dem Fenster
  • oder….was fällt dir spontan dazu ein?

Mögliche Mikro-Pause:

  1. Lass deine Schultern sinken
    Stell dir vor, du streifst eine Last ab. Vielleicht magst du bewusst dabei ausatmen.

  2. Entspann deinen Kiefer
    Öffne den Mund einen Spalt und bewege den Unterkiefer ein wenig hin und her.
    Wir „beißen“ uns häufig bei Stress durch den Tag und halten dort sehr viel Anspannung fest.

  3. Erlaube dir zu seufzen
    Ein gehauchtes „Haa…“ beim Ausatmen kann den Brustkorb ein Stück weicher machen.
    Es darf ganz unauffällig sein.

  4. Blick ins „Übermorgen“
    Wenn möglich, schau für einen Moment aus dem Fenster: Himmel, Bäume, ein Hausdach oder zum Horizont ohne Fokus, ohne Intention.
    Dein Nervensystem mag „Weite“.

Schon 15 Sekunden solcher Mini-Pausen mehrmals am Tag können einen deutlich spürbaren Unterschied machen.

Was sich mit der Zeit verändern kann

Diese kleinen Übungen sind keine Zaubertricks. Sie nehmen dir nicht all die Herausforderungen des Alltags mit Baby ab. Aber sie können:

  • Deine innere Anspannung Stück für Stück senken
  • Dir helfen, dich in schwierigen Momenten ruhiger und entspannter zu bleiben
  • Die Momente von Nähe-Gefühlen zwischen dir und deinem Baby stärken

Oft berichten Eltern, dass sie:

  • wieder besser entspannen können
  • weniger Grübeln in Ruhephasen
  • ihr Baby feiner wahrnehmen können, wenn sie sich selber besser spüren

Es darf langsam gehen. Jeder kleine Schritt zählt.

Wenn die Anspannung nicht nachlässt

Manchmal merkst du vielleicht:

„Ich probiere solche Dinge – und trotzdem komme ich kaum noch aus der Überforderung heraus.“

Dann kann es ein wichtiger, mutiger Schritt sein, dir begleitende Unterstützung zu holen. In der Emotionellen Ersten Hilfe (EEH) schaue ich mit dir gemeinsam:

  • Was dein Nervensystem gerade so unter Druck setzt
  • Welche alten Erfahrungen vielleicht mitklingen
  • Wie du Schritt für Schritt wieder in eine spürbare innere Sicherheit kommen kannst
  • Wie du dein Baby auch in schwierigen Momenten halten und co-regulieren kannst

Du musst nicht warten, bis gar nichts mehr geht.

Du darfst dir Hilfe holen, damit du wieder mehr Luft, Vertrauen in deine Kompetenz und Zuversicht bekommst.

Du möchtest mehr erfahren?

Einen Online-Vortrag zum Thema Babyweinen: KEINE ANGST VOR BABYTRÄNEN

Kurse findest Du hier: ELTERN-KIND-KURSE

hier kannst Du Dich über die Schreiambulanz informieren: SCHREIAMBULANZ

Herzlichst,

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Almut

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Beitrag erstellt von Almut Reineke, Hebamme, Heilpraktikerin & EEH-Eltern-Baby-Therapeutin

Liebe Eltern, liebe Mama, lieber Papa,

wenn dein Baby weint und du dich hilflos fühlt – dann bist du hier richtig.
Babyweinen ist eines der intensivsten und herausforderndsten Themen in den ersten Lebensmonaten. Es kann dich an deine Grenzen bringen, dich zweifeln lassen und eine Stressspirale in Gang setzen, die den ganzen Alltag bestimmt.

Die gute Nachricht: Du bist nicht allein. Und du kannst lernen, dein Baby auch in diesen Momenten sicher zu begleiten.

In diesem Artikel erfährst du fünf grundlegende Dinge über Babyweinen, die dir helfen werden, mehr Sicherheit und Ruhe zu gewinnen.

1. Weinen ist Kommunikation

Babys weinen nicht, um dich zu ärgern oder zu manipulieren. Weinen ist Teil ihrer Sprache. Es ist die Art und Weise, wie sie dir mitteilen, dass etwas nicht stimmt – dass sie Hunger haben, müde sind, sich unwohl fühlen oder einfach nur deine Nähe brauchen.

Manchmal weinen Babys auch, um Anspannung abzubauen. Genauso wie wir Erwachsenen manchmal weinen müssen, um Stress loszulassen, brauchen auch Babys diese Form der Entladung. Das bedeutet nicht, dass du versagt hast – im Gegenteil: Dein Baby zeigt dir, dass es dir vertraut.

Was du tun kannst:

  • Nimm das Weinen nicht persönlich
  • Bleibe präsent und zugewandt, auch wenn du nicht sofort eine Lösung hast
  • Sage dir und deinem Baby : „Ich bin für Dich da. Ich höre Dir zu.“

2. Dein Körper ist wie eine Sicherheitsstation für dein Baby

Babys regulieren sich über den Körper ihrer Bezugspersonen. Wenn du ruhig und geerdet bist, spürt dein Baby das – und kann sich leichter beruhigen. Wenn du selbst gestresst bist, überträgt sich das ebenfalls.

Das klingt erst mal nach Druck – aber es ist auch eine Einladung: Sorge für dich selbst, um für dein Baby da sein zu können. Spüre dich selbst – dann spürt dich dein Baby!

Eine der wichtigsten Techniken, die ich Eltern vermittle, ist der Fokus auf den eigenen Körper. Sie hilft dir, in stressigen Momenten wieder in deine eigene Ruhe zu kommen – und diese Ruhe dann an dein Baby weiterzugeben.

Was du tun kannst:

  • Nimm den Kontakt deiner Füße zum Boden wahr.
  • Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper, wo kannst Du Spannung loslassen und nachgeben?
  • Beobachte deinen Atem.
  • Spüre, wie sich dein Bauch beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt
  • Wiederhole das mehrmals, wenn du im Kontakt mit deinem weinenden Baby bist.
  • Erinnere dich: „Ich bin die Sicherheitsstation für mein Baby.“

3. Nicht jedes Weinen braucht sofort eine Lösung

Es ist völlig natürlich, dass du als Elternteil sofort reagieren möchtest, wenn dein Baby weint. Aber manchmal ist es hilfreicher, erst einmal präsent zu bleiben und zu beobachten, bevor du aktiv wirst.

Babys brauchen manchmal einfach nur deine ruhige Anwesenheit – kein Schaukeln, kein Wippen, kein ständiges Wechseln der Position. Sie brauchen das Gefühl: „Mama/Papa ist da. Ich bin sicher. Ich darf fühlen, was ich fühle.“

Das bedeutet nicht, dass du dein Baby schreien lassen sollst. Es bedeutet, dass du lernst, zwischen verschiedenen Arten des Weinens zu unterscheiden – und entsprechend zu reagieren. Es bedeutet, du begleitest dein Baby in seiner Not, ohne dich von den Gefühlen mitreißen zu lassen.

Was du tun kannst:

  • Halte inne, bevor du sofort aktiv wirst
  • Frage dich: „Was brauche ich gerade, um in meinem Körper präsent zu bleiben“
  • Bleibe in Kontakt – durch Blickkontakt, sanfte Berührung, ruhige Stimme
  • Vertraue darauf, dass du die richtige Antwort findest

4. Zu viel Stress und Überforderung sind Zeichen, dass du Unterstützung brauchst

Wenn dein Baby viel weint und du dich zunehmend gestresst, erschöpft oder sogar hilflos fühlst – dann ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Situation gerade sehr fordernd ist.

Viele Eltern geraten in eine Stressspirale: Das Baby weint, die Eltern werden gestresst, das Baby spürt den Stress und weint noch mehr. Diese Spirale zu durchbrechen, ist oft ohne professionelle Unterstützung schwierig.

Es macht absolut Sinn, sich Hilfe zu holen – sei es in Form eines Kurses, einer Beratung oder einer therapeutischen Begleitung. Du musst das nicht alleine schaffen.

Was du tun kannst:

  • Erkenne an, dass du gerade an deine Grenzen kommst
  • Hole dir Unterstützung – von Partner:in, Familie, Freund:innen oder Fachleuten
  • Gib dir selbst Mitgefühl: „Ich tue mein Bestes. Und es ist okay, Hilfe anzunehmen.“

5. Du kannst lernen, dein Baby zu „lesen“

Es gibt eine Sprache, die Babys sprechen – und die du lernen kannst. Diese Sprache besteht aus kleinen Signalen: Wie bewegt sich dein Baby? Wie atmet es? Wie ist seine Muskelspannung? Wann ist es offen für Kontakt – und wann braucht es eine Pause?

Wenn du lernst, diese Signale zu erkennen, gibt dir das mehr Sicherheit. Du lernst dein Baby in allen Situation sicher und empathisch zu begleiten ohne Angst vor den Babytränen zu haben.

In meinen Kursen und Beratungen zeige ich Eltern genau, worauf sie achten können – und wie sie mit ihrem Baby in einen sicheren, entspannten Dialog kommen.

Was du tun kannst:

  • Beobachte dein Baby, wenn es ruhig ist
  • Beobachte, wie es dir und deinem Körper gerade geht. Was spürst Du, was kannst Du wahrnehmen?
  • Lerne, präsent zu sein in deinem Körper, während du dein Baby beobachtest. Das lockt dein intuitives Eltern-Wissen und stärkt deine Kompetenz
  • Vertraue darauf, dass du die Expertin/der Experte für dein Baby bist

Du möchtest mehr erfahren?

Kurse findest Du hier: ELTERN-KIND-KURSE

hier kannst Du Dich über die Schreiambulanz informieren: SCHREIAMBULANZ

Literaturempfehlung: „Keine Angst vor Babytränen“ , Thomas Harms, 2019, Psychosozial Verlag GbR